Psychodrama und seine Philosophie

"Alles darf sein" - dieser kurze Ausspruch von J.L. Moreno, dem Begründer des Psychodrama, ist Basis meiner Arbeit. Ich gehe davon aus, dass jede noch so störende, belastende seelische oder körperliche Regung oder Handlung, jedes Gedankenmuster, jedes Verhalten auf irgendeine Weise Sinn macht und das ÜberLeben sichert. Wir können uns aus diesen inzwischen störenden Lebensmustern lösen und sogar Kraft aus ihnen schöpfen, wenn wir erkennen, wozu sie dienen und handelnd erfahren, dass sie unnötig geworden sind. Außerdem:

- Jede Frage, die Sie mitbringen, beinhaltet schon die Antwort.
- die Seele kennt den Weg
- Gegensätze ergänzen sich zu etwas Neuem
- wachsen lassen statt erzwingen

Psychodrama ist - anders als der Name klingt - eine kreative, spielerische und Ressourcen orientierte Methode. J.L. Moreno entwickelte das Psychodrama aus seinen Erfahrungen im Theaterspiel mit seelisch kranken Menschen. Als Theaterleiterin konnte ich über viele Jahre beobachten , dass (fast) jede/r Spielerin mit jeder Rolle in neue Prozesse von persönlichem Wachstum gerät. Ich nenne das den therapeutischen Effekt der Theaterarbeit.

Psychodrama lockt zum Spiel mit der Ernsthaftigkeit des Kindes. Das Kind begreift die Welt im Spiel und entwickelt sich damit. Ich gehe mit Moreno davon aus, dass Leben immer Entwicklung bedeutet, egal, wie alt der Mensch ist. Jedes Alter eröffnet neue Landschaften, die entdeckt oder erobert werden wollen, neue Aussichten bieten, alte und neue Fähigkeiten herausfordern. Psychodrama ist immer Abenteuer und Überraschung.

Im Psychodrama werden Herausforderungen, die das Leben stellt, auf die Bühne gebracht und dort mit Hilfe spezieller psychodramatischer Methoden im Einzel oder in der Gruppe bearbeitet. Mit Bühne kann auch eine Tischbühne, ein Blatt Papier oder ein Aufstellungsbrett gemeint sein. Es geht immer um den gemeinsamen Blick der Therapeutin und des Klienten auf die Situation.  Der Blick kann dabei ganz auf das Heute gerichtet sein, aber auch Aspekte der Vergangenheit der KlientInnen aufgreifen. Psychodrama geschieht immer im Hier und Jetzt. Es geht darum, Kreativität und Spontaneität zu wecken und Begegnung mit sich selbst, dem Gegenüber, der Gruppe und den größeren Zusammenhängen, in denen der Mensch geborgen ist, herzustellen.

Im Zentrum steht der Mensch als Rollenspieler, wobei eine Rolle immer als eine Handlung im sozialen Kontext verstanden wird. Es gibt Körperrollen ( der Schlafende), Gefühlsrollen (die Traurige) und soziale Rollen (Verkäufer, Vater, ...) Da, wo der Mensch nicht in der Lage ist, spontan und kreativ mit neuen Rollen auf Herausforderungen des Lebens zu reagieren, sondern in alten Mustern/ Rollen verhaftet bleibt, entstehen Störungen.
Im Prozess erforsche ich gemeinsam mit dem/der  Klienten/in, wo und warum sich Blockaden gebildet haben und suche nach Wegen, sie zu lösen.

Psychodrama wird den humanistischen Therapieverfahren zugeordnet. Moreno selbst bestand auf der Einzigartigkeit seiner Ideen und ermunterte jeden Psychodramatiker dazu, eigene Wege zu gehen, Neues zu erproben, das Psychodrama zu bereichern und auszubauen.

Viele Psychodramatiker der Jetzt - Zeit zeigen auf, dass das Psychodrama moderne Methoden vorweggenommen hat oder sich mit diesen verbinden lässt.  So war und ist es ein offenes Verfahren, dass spielend tiefenpsychologische Ansätze, neurobiologisches Wissen, Ansätze des Zürcher Ressourcen Modells, Brainspotting,  Rollenspiel, Aufstellungsarbeit, Körperarbeit, Achtsamkeitsübungen, Schauspiel, Gesang und Atemübungen integriert.